© Dennis Steinberg
Derzeit ist die Musicaldarstellerin Jessica Krüger auf der goldenen Bühnentheke der Bar Seibert zu sehen. Die Sopranistin absolvierte ihre dreijährige Ausbildung zur Musicaldarstellerin an der German Musical Academy in Osnabrück und ein Zusatzstudium in Vokalpädagogik Musical am Institut für Musik der Hochschule Osnabrück. Sie arbeitet zudem als Choreografin und Moderatorin. Jetzt stehen aufregende Performance- und Probenzeiten an – Grund genug für uns, sie zum Interview einzuladen …
Wenn du an deine Schulzeit zurückdenkst, was wirst du nie vergessen?
Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich eigentlich selten an meine Schulzeit denke. Im Großen und Ganzen war sie wohl wie bei vielen anderen auch. Es gab nette, verstaubte, strenge und skurrile Lehrer*innen, der Unterricht war eigentlich Nebensache und die großen Pausen das Wichtigste am ganzen Schultag. Und wenn die beste Freundin krank war, habe ich doch das ein oder andere mal versucht, die langen Stunden mit einer Kopfschmerzattacke zu umgehen.
Erinnerst du dich noch an den ersten Tag deiner Ausbildung?
Speziell an den ersten Tag nicht direkt. Aber ganz besonders an den einwöchigen Workshop, durch den ich dann automatisch eine Aufnahmeprüfung gemacht habe, und die Zeit im ersten Semester. Ich habe ziemlich direkt nach meinem Abitur mit der Ausbildung beginnen können und es war wie ein nicht aufhörender Sommer-Urlaub, in dem man jeden Tag von morgens bis abends das machen durfte, was einem am meisten Spaß macht.
In der einen Woche standen noch Bio und Englisch auf dem Stundenplan und in der nächsten dann Ballett, Schauspiel und vor allem Gesang … hat ein bisschen gebraucht, bis ich realisiert habe, dass ich das nun wirklich jeden Tag machen darf.
Aktuell performst du auf der goldenen Theke der Bar Seibert. Was ist das Schönste bei deinen Auftritten und was lösen sie in dir aus?
Das Schönste ist, wenn ich schon während meines Auftritts merke, dass das Publikum glücklich ist und Spaß hat. Und dabei geht es mir gar nicht so sehr um den Applaus danach – obwohl der natürlich auch sehr schön und wichtig ist –, sondern eher um strahlende Gesichter, lachende oder auch mal weinende Augen. In der Bar Seibert kommt man dem Publikum sehr nahe, da bekommt man schon beim Singen oft direktes Feedback und das ist sehr schön.
Im letzten Sommer hast du im Märchenmusical Dornröschen 24 des Brüder Grimm Festivals die Hauptrolle gespielt. Wie dürfen wir uns deinen Probenalltag vorstellen?
In der Regel probt man für eine Produktion sechs Wochen am Stück, immer Montag bis Samstagvormittag. Der Probentag ist in zwei Blöcke eingeteilt, morgens von 10 bis 14h und abends von 18 bis 22h. In dieser Zeit werden die Szenen des Stücks erarbeitet, die Choreografien geübt und die Musiknummern einstudiert. In den Probenpausen lebt man dann den ganz normalen Alltag: Familie, Erledigungen, wichtige Termine. Oder man bereitet sich schon mal auf das nächste Projekt vor, was im Anschluss an die Probenzeit folgt.
Was ist die große Herausforderung beim Open-Air-Musical auf der Seebühne?
Für mich persönlich das Wetter. Bei den Proben am Vormittag oder bei Vorstellungen am Nachmittag kann es schon mal unerträglich heiß sein. Am Abend wiederum wird es schnell sehr feucht und frisch auf der Seebühne. So lange es nicht gewittert, proben und spielen wir auch, wenn es regnet, da ist man schon manchmal nass bis in die Socken und friert ganz schön. Von den technischen Anforderungen an Ton, Licht und Bühne mal ganz abgesehen, schließlich kommt das Wasser nicht nur von oben, sondern auch von unten. Es wird jedes Jahr eine schwimmende Bühne auf den See gezaubert. Alle Bereiche müssen eben wetterfest sein. Und das Gefühl, unter freiem Himmel zu spielen, ist einfach ein ganz besonderes.
Die Besonderheit des Brüder Grimm Festivals?
Wie oben schon erwähnt, gibt es viele technische und organisatorische Besonderheiten, die wegen des Wetters bedacht werden müssen. Aber ein anderer sehr besonderer Punkt ist das familiäre Miteinander beim Brüder Grimm Festival, die herzliche und tolle Stimmung hinter der Bühne. Es gibt immer ein offenes Ohr für Wünsche und Notwendigkeiten. Obwohl man eigentlich eh schon den ganzen Tag da ist, mag man gerne auch noch länger bleiben, einfach um zusammen die Mittagspause zu verbringen oder den Arbeitstag nach der Probe oder der Show gemeinsam ausklingen zu lassen. Da steckt einfach sehr viel Herz im Brüder Grimm Festival Kassel e.V. und ganz besonders beim Vorstandsvorsitzenden Peter Zypries.
Welche weiteren Projekte planst du im Jahr 2025?
Zurzeit laufen die Verhandlungen mit dem Brüder Grimm Festival für den kommenden Sommer. Außerdem werde ich ab dem 02. Mai im TiC – Theater im Centrum im Musical „Im Kreise der Exen“ zu sehen sein und dort auch bei „Night of the 80’s“ mit auf der Bühne stehen. Meine Solo-Programme darf ich in Goethes PostamD auf die Bühne bringen. Darunter: „Aber bitte mit … Helene!“ – die bekanntesten Songs von Udo Jürgens und Helene Fischer am Piano, „Broadway goes PostamD“ – die etwas andere Musical-Gala und zum Ende des Jahres plane ich gerade ein Kinderprogramm, die schönsten Weihnachtslieder und Geschichten zum Mitsingen, tanzen und zuhören.
Hast du noch Lampenfieber?
So richtiges Lampenfieber ist es wohl nicht mehr. Die schlaflosen Nächte vorweg und die zitternden Knie habe ich schon länger unter Kontrolle. Aber ja, kurz bevor ich die Bühne betrete, ist immer eine gewisse Nervosität und Anspannung mit dabei – vor allem bei Premieren. Und ich glaube, dass ist auch gut so. Das macht den Moment besonders, lässt einen aufmerksam und konzentriert sein.
Hast du Vorbilder?
Einige, allerdings niemanden Speziellen. Ich schätze und bewundere jede/n Künstler/in, die/der es in diesem harten Job schafft durchzuhalten und das auch noch mit Herz und Freude. Egal ob Weltstar, oder Kollege/in. Wir arbeiten alle sehr hart, unser Körper ist unser Kapital und das Sozial- und/oder Familienleben muss oft darunter leiden, die Bezahlung in Kunst und Kultur … naja … und leider mussten viele erfahren, welchen Stellenwert wir in schwierigen Zeiten in der Gesellschaft haben (Stichwort: Pandemie).
Was bedeutet Glück für dich?
Vielleicht ein bisschen Klischee, aber: Liebe, Familie, Gesundheit, ein warmes Dach über dem Kopf, genug zu essen und Zeit! Wenn ich das weiterhin bis zum Lebensende haben kann, dann werde ich mich als sehr glücklichen Menschen bezeichnen können.
Wir bedanken uns ganz herzlich für deine Zeit und hoffen auf ein Wiedersehen beim Brüder Grimm Festival im Sommer.
›› www.jessicakrueger.de | Insta: _jessikrueger_ + einzigartig_events
© Thorsten Drumm
v. l. n. r.: Johanna Diez (Tänzerin & Yoga-Trainerin im Let Studio Wellbeing in Kassel), Rosie Riot (Clown-Akrobatin und Burlesque-Performerin aus Berlin), Jessica Krüger (Musicaldarstellerin, Choreografin und Moderatorin) und Romana Reiff (Komponistin, Sängerin, Impresaria der Abendrot-Show-Reihe seit 2014)
Aktuell performt Jessica Krüger in der neuen Abendrot-Show „Venus“ auf der goldenen Theke der Bar Seibert. Show-Termine im März: 10.03.2025 – 12.03.2025 & 17.03.2025 – 19.03.2025 | Kartenvorverkauf: Täglich ab 17:00 Uhr in der Bar Seibert für 24,00 Euro