© Lumary | Marie Hahs
In nur anderthalb Jahren hat sich Nina Jacob von einer jungen Eschwegerin mit einem großen Traum zu einer der spannendsten neuen Stimmen im deutschsprachigen Pop entwickelt. Seit ihrem Start im Sommer 2024 hat sie über 40 Konzerte gespielt und 16 Songs veröffentlicht – ein Tempo, das nur erahnen lässt, wie viel Kraft, Mut und Kreativität in ihr steckt.
Mit tanzbarem Deutschpop, einer markanten Stimme und einer klaren Haltung erzählt sie von Aufbruch, Selbstbestimmung und dem Wunsch, im schnellen Leben ihren eigenen Platz zu finden. 2026 wird für sie zum entscheidenden Jahr: erste Headline Tour, Festivalsommer, Debütalbum – und jede Menge Energie, die darauf wartet, gehört zu werden. Bei uns zu sehen: am 24.04. im Kulturzentrum Schlachthof Kassel und bei unserem geliebten WILLOW-Festival.
Du hast dir im Sommer 2024 in den Kopf gesetzt, Musikerin zu werden – und keine anderthalb Jahre später liegen 40 Konzerte und 16 Veröffentlichungen hinter dir und weitere 40 Konzerte inklusive einer eigenen Tour stehen in deinem Kalender. Wann war der Moment, an dem du gemerkt hast: „Okay, das passiert jetzt wirklich“?
Ehrlich gesagt hört dieser Moment gar nicht auf. Fast jede Woche passiert etwas Neues, mit dem ich nicht gerechnet habe, und ich bin völlig überwältigt davon, dass ich in diese neue Realität gestolpert bin. Aber insbesondere, wenn ich merke, dass tatsächlich Menschen zu meinen Konzerten kommen und meine Songs mitsingen und danach auf mich zukommen, Fotos mit mir machen möchten und mir erzählen, was ihnen bestimmte Lieder bedeuten …, dann realisiere ich, dass ‚das‘ wirklich passiert.
Wie entsteht ein Nina Jacob-Song – vom ersten Impuls bis zur fertigen Produktion?
Ich habe da gar kein Rezept, nach dem ich Lieder ‚koche‘. So unterschiedlich wie meine Songs sind, so unterschiedlich entstehen sie auch. Manchmal mitten in der Nacht zuHause auf meiner Couch in einem Rutsch, manchmal aus einer „Schnapsidee“ im Studio. Und wiederum andere Songs …, die brauchen einfach Zeit. Im Alltag sammle ich oft Ideen: einzelne Wörter, kurze Sätze, Eindrücke und Gefühle. Die trage ich dann mit mir rum, horche Tage oder Wochen später hinein und plötzlich wird daraus ein Lied. Die Zusammenarbeit mit meinen Produzenten spielt bei all dem aber auch eine riesige Rolle. Dann geht das Songwriting Hand in Hand mit der Produktion. Mit wenigen Handgriffen steht plötzlich ein neues Lied im Raum, ohne dass ich damit gerechnet hätte.
Du wirst zwischen Nina Chuba, Florence and the Machine und Wir sind Helden eingeordnet – mit einem klar eigenen Stil. Welche Künstler*innen haben dich geprägt und was unterscheidet dich von ihnen?
Ich finde es eigentlich blöd, meine Musik mit anderen Künstler*innen zu vergleichen oder in Richtungen und Stilen einzuordnen. Aber Pressetexte, Veranstalter*innen und Bookings verlangen so etwas, insbesondere bei Newcomer*innen.Ich glaube eher, dass jede*r Musiker*-in eine persönliche Handschrift trägt. Aber ganz aus dem luftleeren Raum kommt die Musik dann doch nicht: Meine Musik ist von Nina Chuba, Billie Eilish und diversen Indiekünstler*innen, die auf den Festivalbühnen stehen, geprägt – und auch die Produzent*innen tragen ihre eigenen Handschriften. Gesanglich bin ich seit meiner Kindheit absoluter Fan von Whitney Houston, Alicia Keys und Leona Lewis. Ich denke, dass ihre Lieder heute immer noch in meine Musik einfließen, auch wenn das beim ersten Eindruck gar nicht so stark auffällt.
Dein Jahr 2025 war extrem turbulent. Wie behältst du deine Energie und mentale Gesundheit bei so viel Geschwindigkeit?
Es gibt ja dieses Bild, dass Künstler*in-Sein leicht sei, dass alle Genies sind und ohne viel Zutun kommt der Erfolg. Ich fühle das anders: Es ist harte Arbeit und für mich ist das Künstlerin-Sein neben meinem 40-Stunden-Job eigentlich häufig viel zu viel. Der Gamechanger ist dann vielleicht, dass ich an allem, was ich mache, unfassbar viel Spaß habe, selbst wenn es überfordernd und anstrengend ist. Wenn ich Ruhe brauche, ziehe ich mich zurück und zum Glück arbeite ich mit großartigen Menschen zusammen, die immer hinter mir stehen und mir den Rücken freihalten. Ich habe das große Glück, dass ich mittlerweile nicht mehr alles alleine machen muss. Das gibt Rückhalt und Kraft, sodass ich mich neben Terminabsprachen und Organisation zu großen Teilen auf meine Musik konzentrieren kann. Dennoch bleibt meine größte Erkenntnis: Wenn etwas mal nicht geht und ich etwas nicht schaffe, dann ist das völlig okay.
Über 40 gespielte Konzerte – was hast du über dich auf der Bühne gelernt?
Ich habe gelernt, dass ich mehr schaffe, als ich mir selbst zutraue. Jedes Publikum ist anders. Und das hat mir anfangs manchmal richtig Angst gemacht. Was ich erst vor Kurzem richtig verstanden habe, ist, dass ich unabhängig vom Verlauf und den Rahmenbedingungen eines Konzerts auf der Bühne Spaß haben kann und darf. Es wird immer Abende geben, an denen ich unsicher bin, wie und ob ich ein Publikum erreiche, aber ich schaffe es auch, mich davon frei zu machen. Und genau in diesen Momenten, wenn ich in der Musik schwimme, dann klappt es auch auf einmal mit der Verbindung zum Publikum.
Worauf freust du dich am Festivalsommer am meisten?
Das klingt abgedroschen, aber: Ganz klar auf jede einzelne Show. Und auf die Zeit auf und hinter der Bühne mit meinen Leuten; auf gute Laune, lange Gespräche und turbulente Auftritte.
Für welche Themen möchtest du künftig deine Stimme nutzen?
Eine ganze Zeit lang habe ich mir eingeredet, dass ich unpolitische Musik mache und dass meine Lieder im luftleeren Raum schweben. Dann wurde ich immer wieder angesprochen, dass meine Texte vom Ausbruch aus bestehenden Rollenklischees und als Kritik am Optimierungszwang gelesen werden. Da habe ich erst gemerkt, wie politisch das ganze Unterfangen ist – selbst wenn ich gar nicht damit rechne.
Ich glaube, dass ganz automatisch die Themen einfließen, die in meinem Alltag eine Rolle spielen. Aktuell sind das beispielsweise Nicht-gehört-werden, der Umgang mit Selbstzweifeln, meine Rolle als Frau in der Gesellschaft … Ich bin total gespannt, was sich als Nächstes in meinen Liedern zeigen wird!
Welche Zeile aus deinen eigenen Songs würdest du dir am liebsten als Tattoo stechen lassen?
Da kann ich mich nur schwer entscheiden. Mein Song „Augen zu“ bietet auf jeden Fall gute Vorlagen – zum Beispiel: „Niemand hat mir heut’ zu sagen, wer ich morgen wieder sein muss“. Das wäre mir aber zu lang und weil ich eher kleine Tattoos mag, würde ich mich vermutlich eher für den Titel „Augen zu“ entscheiden. Alternativ käme auch die Abkürzung „IMHGN“ (Ich mache heute gar nichts) aus einem bald erscheinenden Song in Frage.
Wo siehst du dich – oder lieber: Wo wünschst du dir zu sein – in fünf Jahren?
Ich bin gar nicht der Fan davon, mir mein Leben in ein paar Jahren schon so auszumalen. Mein letztes Jahr hat mir gezeigt, was für eine Wundertüte das Leben doch ist. Aber ganz ehrlich, wenn ich in fünf Jahren immer noch auf Bühnen stehe, der Beruf als Musikerin irgendwann nahezu mein Leben komplett ausfüllt und ich damit immer noch glücklich bin …, das wäre krass!
Wir bedanken uns ganz herzlich für deine Zeit und freuen uns auf ein Wiedersehen im Schlachthof.
›› www.ninajacob.de | Insta: @nina_jcb