© KSV Hessen Kassel
Der ehrenamtliche Geschäftsführer Strategie Leopold Koch im intensiven Austausch mit Daniel Bettermann.
Der KSV Hessen Kassel läuft sich warm und ist in der Wintervorbereitung. Am 21. Februar startet die Rückrunde mit dem ersten Auswärtsspiel gegen FSV Frankfurt. Wir haben KSV-Marketingvorstand Daniel Bettermann zum Interview eingeladen, um mit ihm über Kaderplanung, Fankultur und Sponsoring in den aktuell schwierigen Zeiten zu sprechen.
Der KSV Hessen Kassel und Geschäftsführer Sport Sören Gonther haben ihre Zusammenarbeit zum Jahreswechsel beendet und es wurde eine Taskforce gebildet. Was waren die wichtigsten ersten Maßnahmen?
Die erste Maßnahme war, dass wir mit unserem Trainer René Klingbeil sowie Co-Trainer und Koordinator Mirko Dickhaut, Finanzvorstand Florian Beisheim und mir zusammen eine Taskforce eingerichtet haben. Es ging darum, schnelle Entscheidungen zur Aufgabenverteilung für den sportlichen Bereich zu treffen, um während der Wintertransferperiode handlungsfähig zu sein. In der Winterpause werden wichtige Weichen gestellt für die restliche Rückrunde, aber auch schon der Blick auf die Kaderplanung für die neue Saison gelegt.
Für die weiteren Kaderplanungen setzt ihr auf die Expertise in den eigenen Reihen?
Genau, mit René und Mirko haben wir die beiden in die Taskforce als zentrale Akteure integriert, die auch vorher zusammen mit Sören schon in allen sportlichen Entscheidungen, also wenn es um die Kaderstruktur, um Vertragsverlängerungen und Neuzugängen ging, auch bereits involviert waren. Die Taskforce untermauert, dass wir ihre Expertise gezielt einbinden. Für die Spieler ist zunächst am wichtigsten, wer ihr Trainer ist. René Klingbeil passt sehr gut zu Kassel und zum KSV. Deshalb streben wir derzeit die Vertragsverlängerung mit ihm an und sind guter Dinge, schon bald Vollzug vermelden zu können. Das ist ein wesentlicher Baustein bei der Gestaltung der weiteren Spielergespräche und Planungen für die neue Saison, die immer schon im Winter beginnt.
Wir halten unabhängig davon natürlich weiter Ausschau nach einem potenziellen Kandidaten, der als Geschäftsführer des Vereins im Hauptamt die weitere Vereinsentwicklung in den Blick nimmt. Hier nehmen wir uns jedoch die gebotene Zeit, um solch eine wegweisende Entscheidung zu treffen. Wir sind überzeugt, dass wir mit dieser Aufstellung in der Taskforce die kommenden Monate gut gestalten werden.
Kürzlich endete die Aktion „Die Löwen werden Stickerstars“. Mit der Veröffentlichung des Sammelalbums hatten die Fans die Möglichkeit, ihre Stars des KSV zu sammeln und so die Verbundenheit zum Verein weiter zu intensivieren. Eine erfolgreiche Aktion?
Ja, das Stickerstars-Album war ein echter Erfolg. Das Album entstand in Zusammenarbeit mit unserem Partner Rewe Center im DEZ Mario Dettmar. Neben dem sehr gut besuchten Kickoff Ende Oktober fanden in der Weihnachtszeit zwei Tauschbörsen direkt im Markt statt, bei denen die Fans ihre Alben vollständig fertig machen konnten. Über 500 Sticker enthielt das Heft, damit war der komplette Verein, von der U11 bis zur ersten Herren- und Frauenmannschaft, die Geschäftsstelle, die zahlreichen Helferinnen und Helfern und alle Betreuer der Jugendteams im Heft abgebildet. Das ist schon etwas einmaliges, weil das gesamte Löwenrudel im Stickerheft sichtbar geworden ist.
Die Fankultur des KSV ist legendär und hat eine lange Tradition. Wie gelingt es euch, die Fans bei der Stange zu halten?
Der KSV ist ein Mitmachverein. Anders als die anderen großen Sportclubs der Stadt, ist der KSV Hessen Kassel weiterhin in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins organisiert. Das gibt der Mitbestimmung durch die Mitgliedschaft einen ganz anderen Spielraum. Wir haben in den Gremien Fanvertreter, die gezielt darauf achten, die Vereinsentwicklung fanfreundlich zu gestalten. Auch ziehen wir vor allem in der Nordkurve sehr viele junge Fans an, die die Ultra-Fankultur anziehend finden. Mit dem Fanprojekt Fullestadt und unserem Team an Fanbeauftragten haben wir direkte Ansprechpersonen, die sich gezielt um Fanbelange kümmern. Wir geben unseren Fans Räume zum Mitmachen und ein sicher sehr wichtiger Punkt ist, dass wir unseren Fans auf Augenhöhe begegnen.
Daniel Bettermann zum Thema Mittelstandspolitik am 15. Januar 2026 in der Plenarsitzung des Deutschen Bundestags.
Auch gegen Rassismus zeigt der KSV traditionell Flagge?
Ja, unser Verein ist seit vielen Jahren in der Antirassismusarbeit engagiert. Wir zeigen klar Flagge mit unserem Motto „Löwen gegen Rassismus“. Diese Haltung machen wir auf allen Drucksachen, Tickets, Dauerkarten und im Auestadion sichtbar. Auch waren wir von Beginn an Partner der Toleranzinitiative Offen für Vielfalt. Unser Verein ist parteipolitisch neutral, dennoch zeigen wir allen, die sich nicht an demokratische Werte und die Regeln des Grundgesetzes halten, die rote Karte. Unsere Vereinssatzung ist dazu auch sehr deutlich formuliert: „Der Verein ist parteipolitisch und religiös neutral. Er bekennt sich zu den Grundsätzen der Menschenrechte. Er tritt rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen und anderen diskriminierenden oder menschenverachtenden Verhaltensweisen entgegen. Er wirkt allen auftretenden Diskriminierungen und Benachteiligungen von Menschen entgegen, insbesondere wegen ihrer Nationalität, ethnischen Zugehörigkeit, Religion, Geschlecht, sexuellen Orientierung oder Behinderung.“ Damit sollte alles gesagt sein.
Als Marketingvorstand ist es eine deine Aufgaben, dass du dich um das Thema Sponsoring kümmerst. Ist das in der aktuellen Zeit eine besondere Herausforderung?
Ja, definitiv. Der Bereich Sponsoring und Vertrieb ist immer eine große Herausforderung. Wir haben fantastische Sponsoren, die gleichzeitig auch Fans sind und sich sehr für die weitere Vereinsentwicklung interessieren. Neben konjunkturellen Herausforderungen gibt es im Sponsoring eine weitere Komponente: Sportlich gute Leistungen sind ein wichtiger Hebel, um Unternehmen für ein Sponsoring zu begeistern. Die vergangene Rückrunde 24/25 mit dem Erreichen des Klassenerhalts und des Hessenpokalfinales war sehr wichtig. Die erste Saisonhälfte verlief etwas holprig, Mitte November hätten wir bis auf fünf Punkte an die Tabellenspitze herankommen können, nun haben wir 13 Punkte Rückstand auf den Tabellenersten. Unser Ziel ist daher das erneute Erreichen des Hessenpokalfinales, das die Chance auf den Einzug in den DFB-Pokal bedeutet. Das wäre die perfekte Grundlage, um Sponsoren und Zuschauer für ein weiteres Engagement zu begeistern und im besten Fall in der nächsten Saison auch einen Angriff auf die Tabellenspitze zu unternehmen. Denn das wollen die Kasseler am Ende sehen: Sportliche Topleistungen und das Mitspielen um einen Platz an der Spitze. Letztlich sehnen wir uns ja alle nach der 3. Liga, dazu braucht es aber auch viele Mitstreiter, die als Zuschauer und Sponsoren dabei sind, und natürlich eine tolle Mannschaft – und das nötige Quäntchen Spielglück.
Mitglied des Deutschen Bundestags und KSV-Marketingvorstand – wie gelingt dir dieser Spagat?
Ich bin bereits lange im Ehrenamt für die Löwen aktiv. Das war immer schon ein sehr zeitintensives Hobby. Durch meine berufliche Veränderung und den Einzug in den Bundestag ist die verfügbare Freizeit nochmal deutlich eingeschrumpft. Durch ein tolles Team im Verein versuche ich den Spagat zu meistern, in dem wir auch einige Aufgaben auf noch mehr Schultern verteilt haben – etwa im Bereich der Spieltagsorganisation, da kann ich mich auf ein tolles Team verlassen und mich auf weniger Aufgaben fokussieren.
Was wünscht du dir für die Zukunft?
Sportlich wünsche ich mir im Mai den Gewinn des Hessenpokals mit Einzug in den DFB-Pokal. Und im kommenden Jahr würde ich unsere Löwen gerne unter den ersten drei der Tabelle sehen. Allgemein wünsche ich mir, dass unsere Gesellschaft wieder enger zusammenrückt und Ausgrenzung, Hass und Hetze zurückgedrängt werden. Letztlich leben wir – bei allen bestehenden Herausforderungen – in einem fantastischen Land, in dem uns viele Möglichkeiten offenstehen – die positiven Chancen müssen wir nur auch sehen, wertschätzen und vor allem nutzen.
Wir bedanken uns ganz herzlich für deine Zeit und drücken die Daumen für den Hessenpokal.