In unserer Rubrik „3 Fragen an …“ stellen wir euch Menschen aus Kassel und Nordhessen vor, die durch ihr persönliches und berufliches Engagement, ihr Talent oder ihre Kreativität, ihr Leben und Wirken in Kassel und Nordhessen auffallen. Diesmal gingen unsere Fragen an Nils Jantzen – er ist gerade 18 Jahre geworden und hat Ende August eine große Ausstellung in der Galerie Baunatal eröffnet. In der aktuellen Ausstellung „Crossing Times“ zeigt der junge Kasseler Ausnahme-Künstler eine Werkserie, die sich unmittelbar mit den visuellen Strategien und Motiven zeitgenössischer Bildwelten auseinandersetzt. Seine Arbeiten sind ein visuelles Echo auf eine beschleunigte Welt – roh, vielschichtig, kompromisslos.
Du malst, seitdem du einen Malstift halten kannst. Was inspiriert dich?
Malen ist für mich eine grundlegende Art, mich mit der Welt auseinanderzusetzen. Die Inspiration entspringt der visuellen und medialen Dichte unserer Zeit, die unsere Wahrnehmung prägt. Meine Kunst ist der Versuch, diese „beschleunigte Welt“ zu reflektieren. Meine Leinwände sind wie Bildschirme, auf denen sich Eindrücke überlagern. Ich lasse mich von Popkultur, Grafiken und Texten inspirieren. Der Ansatz von Michel Majerus, sich „nicht festzulegen“, erlaubt mir, das Rohmaterial der Gegenwart kompromisslos darzustellen.
Was bedeutet Kunst für dich?
Kunst ist für mich eine Sprache, um die Welt zu interpretieren und meine Position zu finden, besonders wenn Worte nicht ausreichen. Sie erlaubt mir, die Komplexität und widersprüchliche Energie meiner Umwelt auf ehrliche Weise auszudrücken. Ich möchte mit meinen Werken einen Dialog anstoßen, der über die Ästhetik hinausgeht. In meiner Ausstellung „Crossing Times“ beleuchte ich die Übergänge und das „Dazwischen“ – zwischen Kindheit und Erwachsenwerden, Digitalem und Analogem. Meine Kunst befragt die Realität kritisch. Kritischer Realismus und Street Art fließen ein, um hybride Bildräume zu schaffen. Ich hoffe, meine Bilder berühren innerlich und lassen etwas von sich selbst oder der Welt wiedererkennen.
Dein Traum: Teilnahme an der documenta 16?
Die Teilnahme an der documenta 16 wäre zweifellos ein absoluter Höhepunkt meiner Laufbahn. Es ist ein Ziel, auf das ich sehr gezielt hinarbeite. Die documenta ist ein zentraler, globaler Treffpunkt der Kunstwelt. Die Tatsache, dass sie in meiner Heimatstadt Kassel stattfindet, ist eine enorme Inspiration. Ich hatte 2022 die Gelegenheit, eine kleine Ausstellung in Kassel zu zeigen, zeitgleich mit der documenta 15. Die Erfahrung war unglaublich wertvoll und hat mir die Bedeutung von kollektiven Ansätzen und dem lumbung-Gedanken vor Augen geführt. Ich verfolge die Entwicklungen genau und weiß, dass Naomi Beckwith die künstlerische Leitung übernimmt. Jeder Schritt, den ich mache, ist eine Möglichkeit, meine künstlerische Stimme zu finden. Es ist mir wichtig, die Reise zu genießen, auch wenn man ein großes Ziel vor Augen hat.
›› www.nilsjantzen.de und www.galeriebaunatal.com Ausstellungsdauer: bis 28. September 2025