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Die fantastischen Vier (v. l. n. r.): Kathrin Menzinger, René Casselly, Anastasia Maruster und Fabian Hambüchen. Die beiden aus der TV-Show „Let´s Dance“ bekannten Profi-Tänzerinnen treten gemeinsam mit dem Zirkus-Weltmeister und dem Turn-Olympiasieger im Zirkus auf
Olympisches Gold trifft auf den Goldenen Clown von Monte Carlo: Fabian Hambüchen und René Casselly gehören zu den Besten ihrer Disziplinen. Für das „17. Festival der Artisten“ in Kassel wagen die langjährigen Freunde nun ein gemeinsames Abenteuer und präsentieren eine eigens entwickelte Schleuderbrett-Nummer. Im Interview erzählen sie, was sie antreibt, was sie voneinander lernen und warum sie sich trotz aller Erfolge noch immer gern neuen Herausforderungen stellen.
René, mit dem eigenen Zirkus geht für dich ein großer Traum in Erfüllung. Welche Handschrift möchtest du dem Festival künftig geben?
Mein Ziel ist es, die besten Artisten nach Kassel zu holen, um eine großartige, spektakuläre Show der Superlative zu garantieren. Dazu möchte ich meine Kontakte in die TV-Branche nutzen und Persönlichkeiten aus Unterhaltung und Sport für den Zirkus verpflichten – so wie dieses Jahr Turn-Olympiasieger Fabian Hambüchen und die aus Let’s Dance bekannten Tänzerinnen Kathrin Menzinger und Anastasia Maruster. Solch eine Mischung gibt es in keinem anderen Zirkus in Deutschland.
René, was ist aktuell die größere Herausforderung: Künstler in der Manege oder Direktor hinter den Kulissen?
Das Schwierigste ist, beides unter einen Hut zu bringen. Ich trainiere weiterhin jeden Tag – aber jetzt habe ich noch viele organisatorische Dinge zu tun. Künstler buchen, Marketing-Maßnahmen besprechen, Finanz-Themen entscheiden. Im Juni war ich beispielsweise in Kassel und half, das neue Zelt aufzubauen. Und im September habe auf dem Friedrichsplatz geschaut, wo man Strom- und Abwasserleitungen legen kann. Zudem plane ich, nächstes Jahr auf große Deutschland-Tour zu gehen.
Welche Nummer sorgt selbst bei euch noch für Gänsehaut?
Fabian Hambüchen: Weil es mein erster Auftritt im Zirkus ist, ist unsere eigene Nummer auf dem Schleuderbrett für mich Gänsehaut pur. Die studieren wir gerade ein. Aber auch wenn ich Trapezkünstlern zuschaue oder Artisten am russischen Barren – für mich hat Zirkus viele faszinierende Facetten.
René Casselly: Ich freue mich vor allem auf Alfons Donnert, dem Diabolo-Artisten mit Downsyndrom. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass er mit seinem Handicap solch phantastische Leistungen bringen kann. Alfons kenne ich schon seit einer gefühlten Ewigkeit – ihn habe ich auch als ersten Artisten für Kassel verpflichtet.
Fabian, was ist schwieriger: Salto am Reck oder Salto auf dem Schleuderbrett?
Definitiv Salto auf dem Schleuderbrett. Es ist technisch eine andere Herausforderung, zudem eine neue Erfahrung. Ich bin nicht alleine verantwortlich wie beim Turnen, René steht auf der anderen Seite des Schleuderbretts. Die Kommunikation muss genauso stimmen wie die Absprünge und Landung. Es ist viel Teamwork, insofern sehr kompliziert. Aber das Bewusstsein in der Luft und die Koordination sind vorhanden wie immer.
René, Kassel erlebt einen zweifachen Goldenen-Clown-Gewinner hautnah. Wie viel Monte-Carlo-Niveau steckt in der Show, die du hier präsentierst?
Neben der Schleuderbrett-Nummer mit Fabian Hambüchen sieht man mich auch noch auf dem Todesrad. Ich studiere seit Monaten eine neue Nummer ein, mit der ich im Januar in Monte Carlo auftreten werde. Dort versuche ich, als erster Artist überhaupt, den dritten Goldenen Clown zu gewinnen – es ist die wertvollste Auszeichnung in der Zirkus-Welt. Ich werde auf dem Todesrad versuchen, als erster Mensch der Welt einen zweifachen Rückwärtssalto zu zeigen – in 13 Metern Höhe, ohne Sicherung. Den doppelten Salto werde ich auch in Kassel zeigen.
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Fabian Hambüchen wurde 2016 Turn-Olympiasieger, 2007 Weltmeister. Zweimal wurde er „Sportler des Jahres“. Vor zehn Jahren beendete er seine Karriere.
Fabian, du kennst Olympia, Weltmeisterschaften und Fernsehshows. Was fasziniert dich am Leben im Zirkus besonders?
Ich war immer ein Fan des Zirkus-Festivals von Monte Carlo, von dem auch René gerade sprach. Ich habe es geliebt. Es waren viele turnerische Elemente in den Shows, mit denen ich mich sofort identifizieren konnte. Aber auch viele andere Nummern, die weitaus extremer und gefährlicher waren. Dass ich jetzt selbst ein Teil einer Zirkus-Show sein darf, ist eine besondere Ehre.
René, wie kam die Idee zustande, einen Turn-Olympiasieger in den Zirkus zu holen?
Fabian und ich werden seit Jahren vom gleichen Management betreut. Außerdem haben wir uns bei verschiedenen TV-Formaten wie dem RTL-Turmspringen oder dem Promi-Wrestling bei Pro7 freundschaftlich duelliert. Weil er seit Jahren in Turner-Rente ist, habe ich Fabi gefragt, ob er nicht Bock auf Zirkus hätte.
René, wann entstand aus einer verrückten Idee plötzlich ein konkreter Plan?
Im Herbst vergangenen Jahres habe ich mit meinem Manager Klaus Kärcher gesprochen. Der schlug vor, Fabi zu fragen. Im März haben wir das erste Mal zusammen auf dem Schleuderbrett trainiert – obwohl wir uns damals sehr schwer taten, hat er ein paar Tage später zugesagt. Es ist etwas Außergewöhnliches, einen Olympiasieger in der Show zu haben – zudem hat er mega Bock auf die Auftritte.
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Ganz in schwarz, aber alles andere als farblos: René Casselly.
Wenn am 10. Dezember die Opening Night beginnt: Auf welchen Moment freut ihr euch schon heute am meisten?
Fabian Hambüchen: Ganz klar auf unsere gemeinsame Schleuderbrett-Nummer. Wenn wir die gut vorbereitet haben, wird der Auftritt auch ein Moment des Genießens sein. Ich hoffe, dass wir die Leute damit begeistern können.
René Casselly: Ich freue mich am meisten auf die Resonanz des Publikums am Ende der Show. Ich hoffe, das Glänzen in den Augen bei den Zuschauern zu sehen. Wenn die Besucher am Ende einer Show stehen und hoffentlich begeistert klatschen, ist das auch für mich nach so vielen Jahren als Artist immer noch ein ganz besonderer Moment.
Ihr seid nicht nur Kollegen, sondern auch Freunde. Was bewunderst du am anderen und womit bringt er dich gelegentlich auf die Palme?
Fabian Hambüchen: René hat eine unglaubliche Willensstärke und Angstlosigkeit. Manchmal wird er deshalb schon fast übermütig und macht Sachen, ohne groß nachzudenken. Das kann manchmal auch ein bisschen riskant sein – aber eigentlich bewundere ich, dass er ein so großes Vertrauen in sich selbst hat. Wann immer es darauf ankommt, ist er da. Das hat der Hochleistungssport mit Zirkus gemein: Dass man in den wichtigsten Moment abliefern muss. Diese Fähigkeit verkörpert René extrem. Diese Koste-es-was-es-wolle-Mentalität, einfach alles durchzuziehen, kann aber negative Auswirkungen haben. Da bin ich an einem Punkt angekommen in meinem Leben, wo ich sage: Ich habe alles erlebt im Sport, ich werde nächstes Jahr 40 – und ich muss in meinem Leben nicht mehr meine Grenzen austesten. Aber eigentlich bewundere ich ihn viel mehr, als dass er mir auf die Nerven geht.
René Casselly: Als Fabi Gold am Reck bei den Olympischen Spielen gewann, habe ich ihn sehr bewundert. Nach all den Jahren mit vielen Höhen, aber auch einigen Tiefen in seiner Karriere so zurückzukommen, solch einen Abschluss hinzulegen, war großer Sport. Diese Steh-auf-Mentalität hat mich sehr berührt. Auf die Palme bringt er mich eigentlich nie, dazu verstehen wir uns viel zu gut - stopp, vielleicht, wenn er zu langsam Jet-Ski fährt wie bei unserem gemeinsamen Auftritt bei der WM im August im Fernsehen.
Wir bedanken uns ganz herzlich für eure Zeit und freuen uns auf ein Wiedersehen am 10. Dezember bei der Opening Night.