Stephan Emig und Ingo Hassenstein (Organisationsteam des Complete Music Camps).
Das Complete Music Camp ist seit 2012 das Intensivcamp für junge Musikerinnen, Musiker und komplette Bands, in dem über mehrere Tage Musikmachen, Songwriting, Bandcoaching und Bühnenpraxis im Mittelpunkt stehen. An vier kreativen und intensiven Workshoptagen stellen die Teilnehmer ein konzertreifes Programm auf die Beine und präsentieren dies beim großen Abschlusskonzert am 7. Juni 2026 in einem renommierten Liveclub (unserem geliebten Theaterstübchen). Wir haben die Profimusiker Stephan Emig und Ingo Hassenstein vom Organisationsteam des Camps eingeladen, um mit ihnen über die Workshops, zeitgemäße Musikpädagogik und die Geschichte des Camps zu sprechen.
Was ist das ganz Besondere am Complete Music Camp Kassel?
Das Besondere am Complete Music Camp ist die Atmosphäre: ein wertschätzendes Miteinander, Coaching auf Augenhöhe und ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Viele Teilnehmende kommen mehrfach – und stecken die Neuen sofort mit ihrer Begeisterung an. Im Mittelpunkt stehen Kreativität, gemeinsames Musizieren und Songwriting, frei von schulischem Druck oder festgelegten Erwartungen. Jugendliche vernetzen sich, wachsen zusammen und erleben, wie Musik im Team entsteht. Die Dozierenden sind aktive Profimusiker*innen und bilden unterschiedliche Facetten des Musikerberufs ab. Der Abschluss ist ein echtes Highlight: ein Konzert wie ein kleines Festival im Theaterstübchen.
Wer kann mitmachen und was sind die Voraussetzungen?
Mitmachen können Jugendliche und junge Erwachsene ab 14 Jahren. Eine grundlegende Erfahrung am Instrument oder mit der Stimme ist Voraussetzung, eine bestehende Band oder Bühnenerfahrung jedoch nicht erforderlich. Entscheidend sind Offenheit, Neugier und die Lust, Neues zu lernen, sich auszuprobieren und gemeinsam Musik zu machen.
Welche Workshops bietet ihr an?
Die Workshops wechseln jedes Jahr und werden kontinuierlich weiterentwickelt, um zeitgemäß zu bleiben. Inhaltlich reicht das Spektrum von handwerklichen Fähigkeiten wie dem Zusammenspiel in der Band und dem gemeinsamen Entwickeln musikalischer Strukturen über mentale Themen wie Bühnenpräsenz bis hin zu kreativen Schwerpunkten wie Songwriting oder Improvisation.
Wer sind die Dozierenden und wie wählt ihr eure Dozierenden aus?
Wir arbeiten seit vielen Jahren mit einem eingespielten Dozierendenteam zusammen: Katja Friedenberg (Gesang), Markus Braun (Bass), Daniel Schunn (Keys), Ingo Hassenstein (Gitarre) und Stephan Emig (Drums). Sie sind aktiv in der Musikszene tätig und bringen unterschiedliche Perspektiven des Musikmachens ein – etwa aus Live-, Studio- oder TV-Kontexten sowie aus Komposition und Producing. Mehrere Dozierende haben ihre musikalischen Wurzeln in Kassel, andere bringen Erfahrungen aus unterschiedlichen Regionen und Szenen mit. Uns ist wichtig, dass wir unsere Erfahrungen teilen und die Teilnehmenden dabei unterstützen, ihren eigenen musikalischen Weg im Bandkontext zu finden. Während des Camps übernimmt Alexandra Ehlers sozialpädagogische Aufgaben und Jochen Lody unterstützt vor Ort im technischen Bereich.
Was versteht ihr unter zeitgemäßer Musik- bzw. Instrumentalpädagogik?
Für uns bedeutet zeitgemäße Musikpädagogik, junge Musiker*innen nicht schulisch anzuleiten, sondern auf Augenhöhe zu begleiten. Im Zentrum stehen Kreativität, Eigenverantwortung und die Entscheidungen der Teilnehmenden. Wir arbeiten als Coaches, geben Impulse und bieten Feedback an, ohne feste Vorgaben zu machen. Entscheidungen entstehen im gemeinsamen Prozess. Ziel ist es, Individualität zu fördern und musikalische Entwicklung im Bandkontext zu ermöglichen.
Wie würdet ihr die philosophische Idee hinter dem Camp in einem Satz beschreiben?
Für uns ist das Camp ein Raum, in dem junge Menschen gemeinsam Musik machen und dabei musikalisch wie persönlich wachsen.
Maximilian Götte, Tourbassist von Ayliva, wird in diesem Jahr als Gast beim Camp dabei sein.
Warum ist Bandarbeit heute noch so wichtig?
Das Spielen in einer Band ermöglicht Erfahrungen, die allein kaum möglich sind: Zuhören, Verantwortung übernehmen, auf andere reagieren und gemeinsam Entscheidungen treffen. Diese Prozesse stärken musikalische und soziale Kompetenzen gleichermaßen und helfen, die eigene Rolle in einer Gruppe zu finden. Wir kennen die aktuellen Entwicklungen rund um Social Media und Home-Producing aus eigener Praxis und beziehen sie selbstverständlich mit ein. Gleichzeitig erleben wir immer wieder, wie besonders und prägend das gemeinsame Spielen in einer Band ist – und genau das macht das Camp aus.
Wie hat sich das Camp im Laufe der Zeit verändert?
Das Camp hat sich über die Jahre stetig weiterentwickelt. Inhalte und Abläufe werden regelmäßig hinterfragt und angepasst – Stillstand ist für uns keine Option. Gleichzeitig haben auch wir uns als Musiker*innen und Dozierende weiterentwickelt und bringen heute andere Erfahrungen mit als noch vor 15 Jahren. Gleich geblieben ist die Leidenschaft für Musik und der Wunsch, diese Erfahrung mit jungen Menschen zu teilen. Möglich wurde diese Entwicklung auch durch die kontinuierliche Unterstützung unserer Partner und Förderer.
Welche Erfolgsgeschichten bleiben euch in Erinnerung?
Einige ehemalige Teilnehmende arbeiten heute als Profimusiker oder Produzenten, etwa Jens Schneider, der u. a. für Max Giesinger tätig ist, oder Maximilian Götte, Tourbassist von Ayliva. Beide werden in diesem Jahr als Gäste beim Camp dabei sein. Diese Wege freuen uns sehr. Genauso berührend sind für uns aber die vielen kleinen Erfolge: wenn Jugendliche nach dem Camp den Mut finden, eigene Musik zu veröffentlichen, ihr erstes Konzert zu spielen oder sich musikalisch zu zeigen.
Wir bedanken uns ganz herzlich für eure Zeit und freuen uns, euch beim Abschlusskonzert im Theaterstübchen wiederzusehen.