Seit 2023 bereichert der gebürtige Schweizer Martin Rüegg das Ensemble von Bomm Forzio, welches im September mit „Der schwarze Hering“ in die neue Spielzeit startet. Hauptrolle: Martin Rüegg. Der ausgebildete Schauspieler bringt Erfahrungen aus Film, Fernsehen und Theater mit und hat sich längst zu einer festen Größe innerhalb der Gruppe entwickelt.
Mit „Die Wunderübung“ wagte er erfolgreich den Schritt auf den Regiestuhl, im Februar folgt mit „Bei Erbe Mord“ seine nächste Inszenierung. Wir haben mit ihm über die neue Spielzeit, seine Liebe zum Theater und die besondere Arbeit als Regisseur gesprochen.
Du bist seit 2023 Mitglied bei Bomm Forzio. Was hat dich damals an der Gruppe gereizt?
Damals und auch heute begeistert mich, dass wir in der Gruppe einfach auf einer Wellenlänge sind. Ich war lange in anderen Theatern in der Schweiz, Österreich und Deutschland unterwegs. Als ich nach Kassel zurückkehrte, hörte ich dann von Bomm Forzio. Die meisten Mitglieder kannte ich schon durch eine frühere Zusammenarbeit. Ich bin schließlich für „Mord zur Lücke“ angefragt und sehr herzlich aufgenommen worden. Durch die gemeinsame Arbeit in der Gruppe sind nun sogar Freundschaften entstanden. Wir ziehen an einem Strang und haben jede Menge Spaß miteinander. Ich denke, das sieht man auch bei unseren Aufführungen.
Im Februar inszenierst du „Bei Erbe Mord“. Was hat dich an diesem Stück sofort überzeugt?
Das Textbuch ist noch in Arbeit, aber die Story um eine verhasste Qualverwandtschaft, die sich laut Testament selbst auf eine gerechte Verteilung des Erbes einigen muss, um es überhaupt zu bekommen – das verspricht jede Menge komische und skurrile Situationen. Und ich darf das inszenieren?! Da freu ich mich unglaublich drauf!
Warum passt dieses Stück so gut zu Bomm Forzio?
Wir haben schon einige Eigenproduktionen veröffentlicht und dabei hat sich in puncto Humor, Inhalt und Umsetzung ein bestimmter Stil herauskristallisiert. Und diesen Weg geht „Bei Erbe Mord“ konsequent weiter. Zudem hat das Autorenduo Lena Baumgarte und Christoph Steinau die einzelnen Charaktere dem Ensemble auf den Leib geschrieben. Da wird kein Auge trocken bleiben.
Wie viel Freiheit gibst du deinen Schauspielerinnen und Schauspielern?
Wenn ich inszeniere, hat mein Ensemble erstmal alle Freiheiten der Welt. Ich lege ungern direkt etwas fest. Es ist zunächst ein Puzzle, was sich schließlich zusammenfügt. Die Schauspielerinnen und Schauspieler sollen beim Umgang mit der Figur gemeinsam mit mir ihren eigenen Zugang finden, und dabei ihre Persönlichkeit einbringen. Und ihre Kreativität. Und da ist bei meinen Kolleginnen und Kollegen jede Menge vorhanden!
Worauf achtest du bei den Proben besonders?
Das Ensemble und das Team sollen sich wohl mit und bei der Arbeit fühlen.
Würdest du sagen, dass du eher ein genauer Planer oder ein kreativer Freigeist bei der Regiearbeit bist?
Ich habe einen groben Plan und dann lasse ich dem kreativen Freigeist freien Lauf. Ich trete in Dialog mit den Schauspielerinnen und Schauspielern und bin weniger der Bestimmer. Wenn ich etwas festlege oder vorgebe, soll das als Hilfestellung empfunden werden. Bei der „Wunderübung“ hat es jedenfalls super funktioniert und ich bin glücklich über den großen Erfolg.
Hilft dir deine Erfahrung als Schauspieler bei der Regiearbeit?
Auf jeden Fall. Ich weiß genau, wie sich das da oben auf der Bühne anfühlt. Ich habe seit meiner Ausbildung immer das Geheimnis der Schauspielerei gesucht und lasse meine ganz persönlichen Erkenntnisse in die Regie-Arbeit einfließen. Manchmal kommen sich meine Kolleginnen und Kollegen dabei vielleicht ein wenig wie auf der Schauspielschule vor (lacht). Aber am Ende geht es immer nur darum, einen gemeinsamen Zugang zum Stück zu finden.
Was dürfen sich die Zuschauerinnen und Zuschauer in der kommenden Saison nicht entgehen lassen?
Eigentlich gar nichts! Die Stücke machen allesamt wahnsinnig Spaß und das Publikum wird sich überall wiederfinden. Die Nähe zum Ensemble, die intime Atmosphäre und dabei lachen und Spaß haben, das sollte man sich nicht entgehen lassen!
In der neuen Produktion „Kill mich doch, wer kann“ bist du wieder auf der Bühne zu sehen. Welche Rolle spielst du und was macht diese Figur spannend?
Ich spiele Hausmeister Knut Bäumel. In dem Appartement, das unsere Hauptfigur Carlo Lurch seiner Geliebten Perdita eingerichtet hat, taucht Knut ständig auf, um irgendwas zu reparieren. Aber eigentlich nutzt er das nur als Vorwand, um mit Perdita zu flirten. Ich kann mich ganz gut mit der Figur identifizieren, da ich selbst nebenbei als Handwerker arbeite (lacht). Die Krimikomödie gibt ein immenses Spiel-Tempo vor. Und Knut muss sich ständig beweisen, agieren und herausreden. Das wird herausfordernd und spannend.
Stell dir vor, du müsstest „Bei Erbe Mord“ in einem einzigen Satz bewerben. Wie würde dieser Satz lauten?
Wie man’s aus der Familie kennt – nur in lustig.
Wir bedanken uns ganz herzlich für deine Zeit und freuen uns auf die neue und bonforzionöse Spielzeit ab September.
>> Instagram: @martinrueegg | www.bommforzio.de