Der Wiener Michael Schachermaier ist zeitgenössischer Autor von „Parzival oder die Suche nach dem Heiligen Gral“ nach der Vorlage von Wolfram von Eschenbach.
Mit Michael Schachermaier prägt ein erfahrener Regisseur und Autor die 75. Bad Hersfelder Festspiele maßgeblich. Der gebürtige Österreicher, der in Wien lebt, inszeniert seit vielen Jahren Sprechtheater, musikalisches Unterhaltungstheater, Oper sowie Theater für Kinder und Jugendliche und ist bekannt für künstlerische Cross‑Over‑Projekte.
Aktuell wirkt er als Oberspielleiter und stellvertretender Intendant der Festspiele. Am 26. Juni 2026 feiert seine Inszenierung „Parzival oder Die Suche nach dem Heiligen Gral“ Premiere– eine Produktion, in der Schauspiel und Live‑Musik zu einem gemeinsamen künstlerischen Ereignis verschmelzen.
Die Bad Hersfelder Festspiele feiern ihre 75. Spielzeit. Was bedeutet diese Jubiläumsausgabe für Sie persönlich?
Für mich ist das ein ganz besonderes Jubiläum. Ich durfte bereits vor zwanzig Jahren als Regieassistent hier mitarbeiten und fühle mich daher auch als Teil dieser Festspiele. Geburtstage zu feiern ist immer schön – mit Freundinnen und Freunden, alten und neuen Bekannten zusammenzukommen, das gemeinsam Erlebte Revue passieren lassen und zusammen darauf anzustoßen und Freude zu haben.
Sie sind Oberspielleiter und stellvertretender Intendant – wie würden Sie Ihre Rolle zwischen künstlerischer Vision und organisatorischer Verantwortung beschreiben?
In meiner neuen Rolle sehe ich mich im wahrsten Sinne des Wortes als Spielleiter. Ich verstehe mich als jemand, der zwischen den Produktionen, der Leitung und den technischen Gewerken vermitteln und kommunizieren wird. Ich sehe mich als eine Art Produzent, der versucht, das Beste für die künstlerischen Prozesse zu ermöglichen und allen Beteiligten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Denn nur der Erfolg jeder einzelnen Produktion ist auch der Erfolg der gesamten Festspiele.
Welche Entscheidungen wurden bereits lange vor Probenbeginn getroffen und prägen nun die Produktionen?
Seit eineinhalb Jahren arbeiten wir an der Spielplankonzeption und bewegen unsere Ideen, Gedanken und Träume. Wir reisen gewissermaßen in die Zukunft dieser Festspiele– das ist natürlich besonders aufregend. Wir haben künstlerische Entscheidungen getroffen, was Besetzungen, Teams, Ausstattung, Textvorlagen usw. angeht. All diese Dinge beeinflussen die Saison wesentlich und werden schon lange im Vorhinein aufgesetzt.
Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Intendantin Elke Hesse?
Was mich mit Elke Hesse verbindet, ist nicht nur eine künstlerische Zusammenarbeit und ein offener, ehrlicher Austausch, sondern auch eine über zwanzig Jahre bestehende Freundschaft. Wir sind ehrlich, offen, aber auch kritisch und herausfordernd im Umgang miteinander. Wir lachen viel und streiten wenig – und wenn doch, haben wir uns vorgenommen, uns spätestens abends wieder zu versöhnen.
Kreative Köpfe: Intendantin Elke Hesse und ihr Stellvertreter und Oberspielleiter Michael Schachermaier.
Warum haben Sie sich gerade jetzt für „Parzival oder Die Suche nach dem Heiligen Gral “entschieden? Was interessiert Sie an diesem mittelalterlichen Stoff aus heutiger Perspektive besonders?
Parzival ist eine Geschichte, mit der ich als jugendlicher Leser aufgewachsen bin. Diesem Stoff, der vor rund achthundert Jahren entstanden ist, sind zentrale Fragen des Menschseins eingeschrieben und werden hier verhandelt: Wie soll ich mich verhalten? Wie finde ich meinen Platz in der Gesellschaft oder in anderen Systemen?
Und vor allem: Was macht den Menschen zum Menschen? Wie finde ich zu mir selbst? Es sind Dinge, die einen beschäftigen, umtreiben und vielleicht ein ganzes Leben lang nicht loslassen.
In Ihrer Fassung spielt eine 3-Mann-Band eine zentrale Rolle. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Musik ist für mich wesentlich. Sie ist eine eigene Erzählung – dort, wo die Worte aufhören, beginnt die Musik. In der Stiftsruine gelingt es uns, noch tiefer in die emotionalen Zustände und Gedanken der Figuren einzudringen und ihre Perspektiven zu beleuchten.
Nach eineinhalb Jahren Vorbereitung haben nun die Proben begonnen. Wie erleben Sie diesen Übergang vom „Reißbrett“ zur Bühne?
Dieser Übergang ist immer merkwürdig und zugleich auch hart, aber sehr, sehr schön. Das erste Mal bei einer Leseprobe alle Menschen im gleichen Raum zu sehen, war für mich ein ganz besonderer Moment. Und jetzt machen wir einfach unsere Arbeit und machen sie gut – das haben wir uns für die kommenden Wochen und Monate vorgenommen.
© Bad Hersfelder Festspiele/Steffen Sennewald
Voller Einsatz bei den Proben.
Das Programm reicht von „Parzival“ über „Lysistrata“ bis zu „Pippi Langstrumpf“. Was ist die größte Herausforderung an dieser Vielfalt?
Diese bunte Vielfalt des Programms ist entscheidend– die Mischung macht es aus. Wir haben ganz unterschiedliche Heldinnen und Helden, die eines vereint: Sie alle können tolle Identifikationsfiguren für ein heutiges Publikum sein, unabhängig davon, ob diese Menschen jung oder alt sind.
Die Festspiele sind im Sommer allgegenwärtig im Stadtbild von Bad Hersfeld. Spüren Sie eine besondere Verbindung zwischen Ensemble und Stadt?
Es gibt eine ganz spezielle Verbindung zwischen der Stadt, den Menschen und den Künstlerinnen und Künstlern. Am ersten Tag, als alle angekommen waren und sich Cafés, Restaurants und Plätze mit einem bunten Haufen von Gauklerinnen und Gauklern füllten, war das spürbar. Es sind Menschen, die jetzt eine gewisse Lebenszeit hierverbringen und diesen Ort lebendig und spannend machen werden.