FSK 0
Start: 9.7. (114 Min.), Tunesien/Frankreich 2026, mit Eya Bouteraa, Hiam Abbass, Marion Barbeau, Feriel Chamari, Karim Rmadi
Die Reise in ihr Heimatland Tunesien ist für die in Paris lebende Lilia (Eya Bouteraa) auch eine Reise in die Vergangenheit. Denn der plötzliche Tod ihres Onkels Daly (Karim Rmadi) und die bevorstehende Beerdigung reißen alte Wunden wieder auf. In Tunesien, wo gleichgeschlechtliche Beziehungen unter Strafe stehen, lebt Lilias gesamte Familie, nichts ahnend von Lilias Neigungen und ihrer Partnerin Alice (Marion Barbeau), die Lilia auf der Reise begleitet, sich von deren Familie jedoch fernhält, um einen Skandal zu vermeiden. Bald stellt sich heraus, dass Onkel Daly mit Männern verkehrte – was möglicherweise mit seinem Tod zu tun hat. Während die Polizei ermittelt, reißt Lilia irgendwann die Geduld, konfrontiert die Behörden mit Tatsachen, die das altertümlich wirkende Gesetz zur Bestrafung homosexueller Menschen infrage stellen. Mit ruhigem Ton und deutlicher Sprache inszeniert die tunesische Regisseurin Leyla Bouzid ein Familiendrama, das den Beteiligten Gefühle und Geheimnisse entlockt, die in dem nordafrikanischen Land tabu sind. Ein ebenso künstlerisch wie politisch motivierter Protest, der Realität abbildet und hilflos zugleich wirkt.