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Ein ungestümes Randfilmfest #12 ist zu Ende – laut, widerspenstig, exzessiv und so kompromisslos, wie Kino nur sein kann. Alle vier Festivaltage verzeichneten ein noch größeres Publikum als im Vorjahr, und der Film-Shop erwies sich mit der Retrospektive „Video Nasties“ als ein voller Erfolg. Sie war mehrfach ausverkauft und bewies, dass die Kunst der Transgression – einst zensiert und verfemt – auch heute noch zu provozieren und zu faszinieren vermag. Die Wiederentdeckung der radikalen Regisseurin Roberta Findlay rückte eine kontroverse, lange marginalisierte Stimme des US-Exploitation-Kinos ins Zentrum und eröffnete neue Perspektiven auf feministische Subversion in männlich dominierten Genres. Nicht minder elektrisierend war die musikalische Seite des Festivals: Brezel Göring, mit seiner Band Psychoanalyse, spielte ein komplett ausverkauftes Konzert im Film-Shop – eine fiebrige Mischung aus Chanson, Punk und Dissonanz, die die Grenzen zwischen Kino und Klang verschwimmen ließ. Den Rand Award Spielfilm gewann Grace Glowickis „Dead Lover“, ein radikales, poetisches Werk, das queeres Begehren als rituellen Akt gegen den Tod inszeniert. Die Jury würdigte den Film als intensiven, kompromisslosen Beitrag, der berührt, verstört, berauscht und zugleich neue filmische Räume öffnet. „Silver String“ holte sich den Kurzfilmpreis. Den Abschluss bildeten schließlich zwei Performances, die das Festival in visionäre Sphären katapultierten. DAS KINN und Jorge Espinal entfalteten ein Finale, das dadaistische Elektronik, Punk und lateinamerikanische Improvisationen miteinander verschmolz – ungreifbar, intensiv, herausfordernd. Das Randfilmfest #12 hat erneut bewiesen, dass es Kino als kritischen Erfahrungsraum versteht: roh, lustvoll, abseitig – und immer als Herausforderung des Vertrauten.