Zwischen Turbokapitalismus und Spukhaus, zwischen Selbstoptimierung und solidarischer Nachbarschaft: Die aktuellen Premieren bringen zwei Stoffe auf die Bühne, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und doch beide mitten ins Herz unserer Gesellschaft zielen.
Doping | Komödie von Nora Abdel-Maksoud
Höher, schneller, weiter – und zwar schneller als die anderen. In einer Welt, in der vor allem eins zählt: Performance. So zumindest denkt Lütje Wesel, ehrgeiziger Lokalpolitiker für eine dem Neoliberalismus nahestehende Partei. Auf Sylt hat er es sich bequem gemacht, bereit für den finalen Wahlkampfabschlusses. Doch ausgerechnet am Vorabend bricht Lütje zusammen. Sein Körper verweigert den Dienst. Burnout? Erschöpfung? Systemfehler? Sein Team reagiert effizient: Ab in eine diskrete Privatklinik, die ihn binnen 24 Stunden wieder fit machen soll – notfalls mit Doping. Optimierung ist schließlich kein Tabu, sondern Geschäftsmodell. Mit „Doping“ legt die vielfach ausgezeichnete Autorin Nora Abdel-Maksoud eine bitterböse Komödie vor, die dort ansetzt, wo es wehtut. Erneut gelingt ihr der Spagat zwischen Satire und existenziellen Fragen.
Premiere 24. April 2026 • 20.00 Uhr • dt.2 | Kommende Vorstellungen: 26.4. • 18.00 Uhr • dt.2 | 30.4.• 20.00 Uhr • dt.2
Altbau in zentraler Lage | Eine Schaueroper von Raphaela Bardutzky | Mit Deutscher Gebärdensprache
Altbau, Stuck, hohe Decken – und eine Lage, von der viele träumen. Zoey gehört zu den Glücklichen: Sie wohnt in einem Haus von 1880, mitten in der Stadt. Doch das Glück ist brüchig. Eine Immobilienfirma entmietet das Gebäude systematisch, Wohnung für Wohnung. Zoey bleibt – aus Angst, nichts Bezahlbares mehr zu finden, aus Angst vor Einsamkeit, aus Angst vor dem sozialen Absturz. Mit jeder leer stehenden Wohnung wird es stiller im Haus. Und gleichzeitig lauter. Denn während die reale Nachbarschaft verschwindet, melden sich plötzlich musizierende Gespenster aus dem 19. Jahrhundert zu Wort. Die Vergangenheit singt, klagt, rauscht durch die Wände. Über die liebe Not, die man mit den lärmenden Spukgestalten und den Vermieterinnen hat, lernt Zoey ihre taube Nachbarin Trisha kennen. Zwischen hörendem und gehörlosem Menschen entsteht eine leise, kraftvolle Freundschaft. Trisha kümmert sich um die zunehmend erschöpfte Zoey, hört hin, wo andere weghören – und zeigt, dass Solidarität nicht laut sein muss. Doch mit der Zeit spitzen sich die Konflikte zu und Entscheidungen müssen getroffen werden. In „Altbau in zentraler Lage“ treffen die harte Realität des Mietmarkts, eine opulente Fantasie, die Macht des Geldes, die Schönheit der Musik und ganz wesentlich Hören und Nicht-Hören aufeinander und entfalten eine ganz eigene Theaterrealität, die Kritik formuliert, aber auch bezaubert.
Premiere 25. April 2026 | Kommende Vorstellungen: 30.4., 9.5., 27.5. • jeweils 19.45 Uhr • dt.1